Unidentifizierte mittelniederländische Karlsepen : Die Idée fixe der mittelniederländischen Literatur als Übersetzungsliteratur

Publication date

2007

Authors

Besamusca, A.A.M.

Editors

Advisors

Supervisors

DOI

Document Type

Part of book or chapter of book
Open Access logo

License

Abstract

Zu Anfang möchte ich drei mittelniederländische Texte vorstellen; genauer, drei Episoden, die wir nur aus Fragmenten kennen. Der erste Text, den ich einführen möchte, liegt als Abschrift auf einem Blatt vor, das in der Bibliothek der Universität Amsterdam aufbewahrt wird.1 Das Fragment datiert aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und zählt 198 Verse. Der Text erzählt von der Belagerung einer in den Händen der Sachsen befindlichen Stadt mit Namen Sassine (v. 78) durch die Franzosen. Auf französischer Seite kämpfen Roelant, der im Besitz seines Horns Olifant (v. 45–48) auf seinem Pferd Volatijf einherreitet, sein Bruder Fransoys, Olyvier (v. 15), die Söhne Gheraerts van Viane (v. 21) und viele andere. Der erhaltenen Episode muß eine Szene vorausgegangen sein, die schildert, wie die Sachsen ihren Heerführer, den Riesen Fledric (v. 32), verlieren. Als die dahinfliehenden Sachsen ihre Heimatstadt erreichen, finden sie den Stadtgraben voll mit getöteten Waffenbrüdern. Wie sie genau ums Leben gekommen sind, erfahren wir nicht; jedoch wird in Bezug auf die Umstände ihres Todes wohl ein Zipfel des Schleiers gelüftet. Sie sind nicht Opfer des Schwertes (v. 112f.), sondern der Zauberkunst geworden (v. 108ff., 188ff.). Der Zauberer trägt eine schwarze Rüstung (v. 189) und er ist einer der Anführer der Franzosen. Er hat einen Namen, den man wegen der Abbreviatur, derer sich der Kopist bedient, freilich nicht mit Gewißheit rekonstruieren kann, der sich aber durchaus als Elegast auflösen läßt.2 Am Schluß des Fragments wollen die Sachsen ihren König Gwidekijn und dessen Sohn Gwineman, die sich in der Stadt Bacham befinden (v. 196ff.), vom Tod Fledrics benachrichtigen. Dabei stellt sich heraus, daß Fledric der Bruder des Königs ist (v. 171f.).

Keywords

Citation